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Artillerie - Fort "Festung Grauerort" (Grove)

Bei Grauerort (Grove) handelt es sich um eine hohe Altmarsch-Landzunge, die sich hornartig weit an das Fahrwasser der Elbe heranschiebt. Grove wurde zuerst 1137 urkundlich erwähnt. Von dieser hornartig vorspringenden Marschkante aus kann der Elbstrom sehr gut überwacht werden. Die Kehdinger Seeräuber haben sich diesen Vorteil in früheren Jahrhunderten bereits zu Nutze gemacht. 1270 wurden in Grove 11 Seeräuber gefangen genommen und in Hamburg verurteilt.

Da den Bischöfen von Bremen und Verden das Treiben der Seeräuber zu weit ging, wurde in den Jahren von 1327 bis 1340 eine Zwingburg zur Einkerkerung der Seeräuber errichtet. Die freiheitsliebenden Kehdinger zerstörten diese Burg jedoch im Jahre 1344 endgültig.

Die Schweden bauten 400 bis 500 m nördlich des jetzigen Forts eine Schanze zur Verteidigung gegen die Dänen. Obwohl man diese 1712 wesentlich verstärkte, fiel sie am 31. August 1712 kampflos in die Hände der Dänen, diese hatten sich von Land aus der Festung genähert.

Der Name "Schanze Grauerort" hat sich bis heute gehalten.

1807 nutzten die Franzosen diese wichtige militärische Position und installierten hier im Zuge ihrer Kontinentalsperre eine Küstenbatterie. In den Jahren 1807 bis 1814 stand Bützfleth unter französischer Verwaltung. Bereits seit dem 1. August 1803 lag in Bützfleth eine ganze Kompanie französischer Infanterie.

Mit Gründung des norddeutschen Bundes, in deren Verlauf die Preußen 1866 auch in Stade einmarschiert waren, erkannten sie sogleich die günstige Lage von Grauerort. 1869/70 begann man dann das heutige Artillerie - Fort anzulegen, um die Unterelbe und die Stadt Hamburg vor französischen Angriffen zu schützen.

Vom Typ her ist das Hochwallfort eine "Neu-Preußische Fortifikation". Das Hexagon, der sechseckige Grundriß, wird von Erdwällen gebildet. Die beiden elbseitigen Wälle sind kasemattiert (= befestigte Bunkeranlage in den Wall hineingebaut) und haben am Fuß eine halb freistehende Escarpe- oder "Carnot'sche Mauer". Hinter der Mauer verläuft der Rhondengang.

Kurze Begriffsklärung: Kasemattiert bedeutet, dass eine befestigte Bunkeranlage in den Wall hineingebaut wurde. Bunkerräume sind gleichbedeutend mit Kassematten.

Das Tor mit einem Wachgebäude vor dem Graben liegt im südlichen Wall gegen Abbenfleth. An beiden Seiten der Torkasematte sind die Unterstände für die Wachmannschaften angeordnet. Flankiert werden Escarpe (Carnot’sche) Mauer, Wälle und Tor durch 3 Gewehrkaponnieren (Kehlgangsbunker) an der Nord- und Südspitze und am Tor.

Auf den je 68 m langen Kasematten sind auf beiden Seiten des zentralen Aufzugbunkers je 5 Geschützstellungen mit den entsprechenden Mannschaftsunterständen eingerichtet. Hier waren moderne Hinterlader – Rücklaufgeschütze mit gezogenem Lauf für 28 cm Bleimantel - Geschosse, aufgestellt. Die Anlage ist bis auf einen Durchbruch westlich der nördlichen Karponniere vollständig erhalten.

Das halbfertige Fort wurde im Krieg 1870/71 in die Küstensicherung einbezogen. Es kam jedoch nie zu kriegerischen Auseinandersetzungen. Nach der Fertigstellung in den darauffolgenden Jahren bis 1879 versank es in Bedeutungslosigkeit und wurde 1895 aus der Reihe der aktiven Festungen gestrichen. Während des ersten Weltkrieges wurde es provisorisch zu einem Seeminendepot (Sperrmitteldepot) umgebaut.

Nach der Explosion des Depots Grohden 1922 wurde diese Nutzung fest installiert und dazu wurde 1926 die Landungsbrücke 250 m lang in die Elbe mit einem Gleisanschluß gebaut. Während des zweiten Weltkrieges wurden über diese Brücke Seeminen auf Versorgungsschiffe verladen. Auf der Festung wurden 2 Flakgeschütze stationiert. Dennoch gab es keinen direkten Angriff auf die Festung Grauerort.

Nach dem zweiten Weltkrieg beschlagnahmten die Engländer die Festung. Im Gegensatz zu anderen militärischen Anlagen wurde sie allerdings nicht gesprengt. Die Bunker, Verwaltungs- und Unterkunftsgebäude dienten vielen Flüchtlingen bis Ende der 50ger Jahre als Unterkunft.

Von 1960 bis 1985 wurde das Gelände von einer Entsorgungsfirma zur Delaborierung von Munition genutzt. Die Firma nutzte vor allen Dingen die Flächen und Gebäude außerhalb der historischen Festung.

Von 1985 bis zum Sommer 1997 wurde das Gelände ganz der Verwahrlosung preisgegeben. Die Festung selber ist Jahrzehnte lang vernachlässigt worden. Seit 1997 wird hier aufgeräumt, Treppen und Zugänge freigelegt und die Mauerverschlüsse wieder entfernt.

Die Festung soll als denkmalsgeschütztes Bauwerk saniert und wieder hergestellt werden. Die künftige Nutzung soll eine kulturelle Erlebniswelt mit Künstlern, Kunsthandwerkern und alten Handwerken sein. Museen, zur Darstellung der Militärgeschichte des 19. Jahrhunderts, der Baugeschichte und der Lebensverhältnisse jener Zeit, sind Ziele des Freilichtmuseums. Die Anlage steht auch für Aktivitäten jeglicher Art und Sonderausstellungen zur Verfügung. Gastronomische Betriebe, Kaffee und "Erlebnisgastronomie" sollen die Wirtschaftlichkeit der Anlage verbessern.

Eine neu entstandene Gruppe zum Erhalt alter Kleinbahnen, möchte die Besucher später mit einer Kleinbahn durch das Gelände fahren. In alle Zukunftsplanungen ist in jedem Fall die Elbbrücke Grauerort, als Standort für ein Restaurant und maritimer Zugang zur Festung, mit einem Schiffsanleger und möglicherweise einem Museumsschiff, mit einzubeziehen. Für die Verwirklichung aller Ziele, werden Investoren mit Interesse an unserer maritimen Landschaft und Geschichte gesucht

Hans-Hermann Ott, 15.04.2000, ergänzt am 19.07.2001

 

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© Karsten Ott für den Förderverein "Festung Grauerort" e.V., 1999-2001
URL: http://www.festung-grauerort.de/   -  Letzte Aktualisierung: 10.01.2004